Südgeorgien

Trauminsel für Tier-, Natur- und Landschaftsfotografen

Seit vielen Jahren, schon lange bevor ich professionell fotografierte, wollte ich immer nach Südgeorgien. Damals mehr aus Abenteuerlust. Dieser Wunsch übertrug sich auf die Fotografie und ich lies 2003 aus meinem Traum Wirklichkeit werden. Keine Insel der Welt ist wohl mit Südgeorgien vergleichbar, was Landschaft, Historie, Flora und Fauna betrifft.

Aber Südgeorgien fordert einen hohen Preis. Damit meine ich nicht die Kosten sondern die Lage in den Roaring Fourties mit Treibeis und allem was dazu gehört. Trotzalledem ist diese Insel für jedem, der sich für die Antarktis und Subantarktis interessiert, eine Aneinanderreihung von Superlativen, die ihres gleichen suchen. Berge bis 3000m direkt aus dem Meer, kalbende Gletscher, Kolonien von über 30.000 Paaren von Königspinguinen, Strände überfüllt mit See-Elefanten aber auch Stürme, Nebel, Treibeis und eine lange wilde Überfahrt von Südamerika oder den Falkland Inseln

Google Earth Link:

  • Suedgeorgien.kmz<LINK naturbildportal.com/index.php?id=suche&tx_ppbildersuche_pi1[sword]=18621 >Gold Harbour </LINK> <br>(Hasselblad X-Pan, Fuji Velvia 50)

Wie kommt man nach Südgeorgien

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten.

- mit Kreuzfahrtschiffen unterschiedlicher Anbieter, die oft auch die Antarktis im gleichen Trip anfahren

- mit privaten Yachten, die Südgeorgien als spezielles Ziel anbieten

Für mich war klar, daß nur die Variante Yacht in Frage kommt, da die Kreuzfahrer, meist nur 2 bis 3 Tage auf Südgeorgien bleiben. Auch im nachhinein kann ich jedem der professionell oder semiprofessionell fotografiert diese Variante nur ans Herz legen. Je nach Yacht kann man 3 bis 4 Wochen vor Ort bleiben, was genügend Zeit ist, um dort intensiv zu fotografieren.

Die Anreise von den Falkland Inseln dauert je nach Yacht und Verhältnissen ca. 5 Tage, die Rückreise - gegen die vorherrschenden Westwinde - um die 6 Tage. Das ist der Preis den man bereit sein muß zu bezahlen. 5-6 Tage auf hoher See, keine Sekunde eine ruhige Phase, in der man sich nicht mit allen verfügbaren Armen und Beinen festhalten muß, Stürme, Eisgang, oft auch Seekrankeit.

Vor Südgeorgien läuft dann alles viel entspannter, da es genügend relative gute Ankerplätze gibt.

Ich bin mit der Sarah W. Vorwerk gefahren. Die Yacht beitet guten Komfort, viel Stauraum auch für umfangreiche Fotoausrüstungen und mit Henk und Jaqueline auch erfahrene Skipper, die nicht zum ersten mal in diesen Breiten segeln.

Wie ist das Wetter in Südgeorgien

Viel besser als sein Ruf. Das ist zumindest meine Erfahrung, die sich auf 4 Wochen im späten Frühjahr, frühen Sommer bezieht. Auch die Besatzung der Sarah W. Vorwerk haben mir glaubhaft versichert, daß unser Monat keine Ausnahme war.

Die Temperaturen schwanken zwischen 0 und 10 Grad, Regen gab es ab und zu. Genauergesagt, geht alle 2 bis 3 Tage ein Zyklus Hochdruck-Tiefdruck-Hochdruck über die Insel. Natürlich mit allem was dazu gehört. Aber lange Schlechtwetterphasen sind dadurch praktisch ausgeschlossen.

Wenn die Sonne scheint ist das Licht phantastisch, die Farben brilliant.

Welche Ausrüstung braucht man für Südgeorgien

Als Allererstes sollte man sicherstellen, daß Segelklamotten von der Yacht gestellt werden. In diesen Breiten ist es an Deck selten gemütlich und gute Segelkleidung für nur einen Trip zu kaufen absoluter Unsinn. Auf Südgeorgien reicht Kleidung, die man in den Alpen im Winter oder den Übergangsjahreszeit verwendet. Echte tiefe Minusgrade gibt es nicht.

Als wichtiges Kleidungsstück stellten sich Gummistiefel heraus. Da natürlich keine Anleger, Stege oder ähnliches in den interessanten Buchten vorhanden sind, setzt man mit einem kleinen Schlauchboot über und muß schon mal etwas durchs Wasser. Zudem sind Gummistiefel optimal für die schlammigen und verkoteten Kolonien. Einmal kurz ins Wasser und schon ist wieder alles sauber und geruchsfrei. Hier würde ich das nächste Mal eigene Stiefel kaufen selbst wenn die Yacht Gummistiefel zur Verfügung stellt.

Zwei Paar Handschuhe sind desweiteren dringend zu empfehlen. Ein Paar warme GoreTex Handschuhe für die Überfahrt, insbesondere die manchmal notwendigen Eiswachen und die Schlauchbootlandungen (die können dann im Kanusack bleiben). Das zweite Paar sollte eng anliegen und das Fotografieren ohne Einschränkung ermöglichen. Ich verwende die Fotografenhandschuhe von Lowepro und bin damit sehr zufrieden.

Für mich (damals) überraschend stellte sich mein guter alter Kanusack (Ortlieb macht Kanusäcke (X-Plorer, X-Tremer) als der wichtigste Asurüstungsgegenstand heraus. Täglich muß die Asurüstung mit dem Schlauchboot ans Land gebracht werden und es ist nicht sichergestellt, daß nicht mal ne Welle ins Boot schwappt oder daß man beim Aussteigen stolpert uns ins Wasser fällt. Ich packte meine Kamerataschen, das Stativ und trockene Socken und Handschuhe in den Sack und nichts konnte mehr passieren. Der Kanusack blieb am Ufer oder der Skipper nahm ihn zurück zur Yacht. Optimal!

Außerdem sollten Ski- oder Wanderstöcke mit ins Gepäck. Für Wanderungen sind sie hilfreich und zur Seebärenabwehr unentbehrlich.

Welche Fotoausrüstung hat sich in Südgeorgien bewährt?

Die Tiere auf Südgeorgien sind nicht scheu. Manchmal hält man freiwillig Sicherheitsabstand (See-Elefanten, Pelzobben) manchmal hält man den Abstand um die Tiere zu schonen (der Rest). Daher sind wirklich lange Brennweiten nur aus gestalterischen Gründen notwendig. Leichtere Weitwinkel können durchaus auch zur Tierfotografie vor Ort eingesetzt werden.

Die Landschaft ist manchmal phantastisch. Auch eingefleischte Tierfotografen sollten auf Südgeorgien zur Landschaftsfotografie greifen und sich bezüglich der Ausrüstung entsprechen eindecken.

  • 70 - 200 mm Telezoom, mit 1,4 Extender - optimale Kombination für fast alle Situationen
  • 24 - 70 mm Weitwinkelzoom
  • 600mm, diese Objektiv habe ich selten eingesetzt
  • Hasselblad X-Pan für Landschaftsfotogarfie und die großen Pinguinkolonien
  • Stativ
  • Blitz insbesondere als Aufhellblitz
  • und viel Filmmaterial bzw. Speichermedien
  • was fehlte: leichte Festbrennweite 300/400mm für das Arbeiten in den Kolonien
  • Kameratasche: ich verwendete keinen Rucksack, sondern Kombinationen vom Lowepro Field & Street Systems. Empfehlenswert, da ich bei tobenden 3 Tonnen schweren See-Elefanten keine Asurüstung herumliegen lassen will und außerdem Pinguinkolonien nicht die saubersten Orte der Welt sind. So hatte ich alles griffbereit (ohne 600mm!).

Wieviel Zeit muß man mitbringen?

Wer den Aufwand auf sich nimmt, quer über den Südatlantik zu segeln, sollte sich mindestens 3 Wochen gönnen. 4 Wochen waren in meinem Fall ausreichend, eine Woche mehr wäre auch nicht schlecht gewesen.

Was gab es an Besonderheiten für Fotografen

Außer das Südgeorgien und das Segeln in diesen Breiten etwas besonderes ist gab es eine Schwierigkeit, mit der jeder Besucher konfrontiert sein wird.

 

Antarktische Seebären!

 

Seit Jahren nimmt der Bestand laufend zu und mittlerweile sind ganze Buchten fest in der Hand der Seebären. Während der Haremszeit ist das Anlanden fast unmöglich. Ohne Begleitung, die den Rücken frei hält kann man manchmal nicht an land gehen, da die Seebären sehr aggresiv ihr Territorium auch gegen Menschen verteidigen. Mit Skistöcken oder in meinem Fall mit einem ausgefahrenen Stativ kann man die Tiere auf Distanz halten, nur allein gehts praktisch nicht. Risiken sollte man vermeiden, der nächste Arzt ist einige Tage weit weg!

Als Fotograf möchte man natürlich möglichst früh/spät an Land/zur Yacht. Das will aber nicht jeder. So bleibt einem nichts anders übrig als, Mitreisende schon am Vorabend zu überreden, um 5:30 aufzustehen, um als Begleitschutz zu fungieren.

 

Fragen, Antworten und weitere Informationen

Falls Kollegen, Interessierte oder auch nur Neugierige Fragen zu Expeditionen nach Südgeorgien oder in die Subantarktis haben, einfach die Kontaktseite verwenden.

 

 

Martin Zwick

06.06.2006